MSL Notizblog

Digital Friday

Erstellt am: 14. März 2014

Hashtag-(N)etiquette: Der Ausbruch aus der Filterblase

Was war die Freude groß unter den Netzpolitikern der Bundestagsfraktionen als sich am 19. Februar dieses Jahres der neue Bundestagsausschuss Digitale Agenda konstituierte. Noch viel größer war jedoch die vorangegangene Verwirrung und Diskussion um einen passenden Hashtag für den Ausschuss. Nicht nur der Vorsitzende Jens Koeppen hatte seine Schwierigkeiten damit:

Twitter-koeppen

 

Für Außenstehende ist die Diskussion um den richtigen Ausschuss-Hashtag in etwa so verwirrend wie der Unterschied zwischen der Judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa. Hashtags sortieren einen Tweet mit nur einem Wort in ein bestimmtes Thema. Sie erfüllen damit eine wichtige Ordnungsfunktion im digitalen Dickicht des sozialen Netzwerks Twitter, das täglich mehr als 500 Millionen Nachrichten verarbeitet. Alle Tweets mit einem bestimmten Hashtag lassen sich durchsuchen, anzeigen und außerhalb der eigenen Timeline verfolgen. In letzter Konsequenz erlauben sie den Ausbruch aus der eigenen aus Followern und Freunden geformten Filterblase.

Der richtige Hashtag für ein Ereignis muss nur wenige Funktionen erfüllen:

1. Er muss kurz sein. 140 Zeichen Begrenzung abzüglich des dazugehörigen Hashtags sind für manche Diskussionen eine echte Herausforderung. Ich plädiere hiermit auch gegen die Verwendung von Jahreszahlen in Hashtags. Jeder Tweet hat einen Zeitstempel und auch wenn Hashtags eine Ordnungsfunktion erfüllen, so sind sie fast immer mit aktuellen Ereignissen verbunden.

2. Er muss prägnant und nah am Thema sein. #Messe reicht als Abgrenzung sicher nicht für die diesjährige CeBIT.

3. Er muss einzigartig sein, was sich am Beispiel des Ausschuss-Hashtags erklären lässt:

Twitter_Bergmann

 

 

 

Lange waren die Akteure rund um den Ausschuss davon ausgegangen, dass dieser “Internet und Digitale Agenda” heißen würde – naheliegend war also der Hashtag #AIDA (Regel Nr. 1 und 2). Doch schnell merkten aufmerksame Twitterer, dass sowohl #AIDA als auch #ADA von anderen Akteuren besetzt und viel zu überlaufen seien (Regel Nr. 3) – so einigte man sich “interfraktionell” schlussendlich auf #btADA (Bundestagsausschuss Digitale Agenda – die Groß- und Kleinschreibung ist nur Spielerei).

Twitter_schindler

 

 Ansonsten gilt: Fleißig twittern und #hashtaggen. Aber #nicht #zu #viele #Hashtags, immer schön am Thema bleiben #Tatort, und am wichtigsten – niemals außerhalb von Twitter oder Instagram benutzen. Und damit meine ich explizit Facebook und das “Real life”:

 

Autor: Lutz Mache, Berater am Berliner Standort von MSL Germany.