MSL Germany Public-Affairs-Umfrage 2016

Große Koalition schlechter beurteilt – Zusammenarbeit mit Grünen verbessert – Regelung zu hausausweisen führt nicht zu mehr Transparenz

Berlin, 16.09.2016

Ein Jahr vor der Bundestagswahl im September 2017 fällt die Bewertung der Großen Koalition durch die Public-Affairs-Verantwortlichen in Deutschland schlechter aus als im Vorjahr. Dies geht aus der 15. jährlichen Public-Affairs-Umfrage der Kommunikationsberatung MSL Germany hervor.

Beitragsbild (1)

 

Regierung schneidet schwächer ab, Opposition erneut schlecht bewertet

Mittlerweile bewerten mehr als die Hälfte der befragten Public-Affairs-Verantwortlichen die Leistung der Großen Koalition mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Die Arbeit der Opposition wird zwar etwas besser als im Vorjahr bewertet. Jedoch sind weiterhin mehr als drei Viertel der Befragten der Ansicht, dass die Oppositionsparteien eine „schlechte“ oder „sehr schlechte“ Arbeit leisten.

Zusammenarbeit mit Grünen verbessert

Jedoch hat sich die Zusammenarbeit mit Bündnis 90/Die Grünen im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert. Rund ein Drittel (33 %) der Public-Affairs-Verantwortlichen bewertet die Zusammenarbeit als konstruktiv – doppelt so viel wie im Vorjahr. Ähnlich konstruktiv wird die Zusammenarbeit mit der CSU (38 %) und der FDP (34 %) bewertet. Den Höchstwert erreicht erneut die CDU mit 84 %, ein leichtes Minus von 5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Bei der SPD verschlechtert sich der Wert deutlicher, von 59 % im Jahr 2015 auf 43 %. „Es scheint, als suchen viele Lobbyisten aktiv den intensiven Kontakt mit den Grünen. Sie spielen vor allem im Bundesrat eine entscheidende Rolle, und auch eine mögliche schwarz-grüne Bundesregierung nach der Wahl scheint das Interesse zu befördern“, kommentiert Axel Wallrabenstein, Chairman der MSLGROUP Germany, diese Entwicklung.

Grafik Parteienzusammenarbeit

 

Kommunikation mit Parteien am Rand des Spektrums differenziert betrachtet

Die Public-Affairs-Verantwortlichen in Deutschland versuchen die Kommunikation mit Parteien an den Rändern des Parteienspektrums zu meiden. So lehnen 31 % der Befragten den Dialog grundsätzlich ab, 27 % sehen keinen Grund für einen Austausch, solange die Partei nicht an der Regierung beteiligt ist. Ein identischer Anteil der Befragten sucht den Dialog nur mit Mandatsträgern in für sie relevanten Bereichen.

Federführung in netzpolitischen Fragen

Der Anteil der der Befragten, der die Ansicht vertritt, dass sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Federführung beim Thema Digitale Agenda gesichert hat, sinkt um 10 Prozentpunkte, von 38 % im Jahr 2015 auf 28% im Jahr 2016. Profitieren können davon vor allem das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (von 7 % auf 13 %) sowie das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (von 9 % auf 13 %).

Debatte um Lobbyregister und Hausausweise

19 %der Befragten sind der Ansicht, dass sich das Image der Public-Affairs-Branche in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert hat, zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Christoph Moosbauer, Managing Director bei der MSLGROUP Germany, erklärt sich dies wie folgt: „Im vergangenen Jahr fand eine intensive öffentliche Debatte um ein Lobbyregister und die Hausausweise für den Deutschen Bundestag statt, die dem Image der Branche eher geschadet hat.“ Dabei sind die Public-Affairs-Verantwortlichen nicht der Ansicht, dass das Ziel der neuen Regelung zu den Hausausweisen erreicht wurde. Über die Hälfte (54 %) glaubt, dass die neue Regelung keine Auswirkung auf die Transparenz hat, ein knappes Viertel (24 %) ist sogar der Ansicht, dass sie nicht zu mehr Transparenz führt.

Grafik Hausausweis

 

Bedeutung von Social Media wächst weiter

Mittlerweile nutzt fast jeder zweite (46 %) Public-Affairs-Verantwortliche Social-Media-Kanäle zur politischen Kontaktpflege. Spitzenreiter unter den Kanälen ist erneut Twitter (60  %). Die größten Zuwächse in der Nutzung können die Plattformen YouTube (von 14 % auf 28 %) und Facebook (von 36 % auf 49 %) erzielen. Digital Public Affairs nimmt somit in seiner Bedeutung weiter zu. Wichtigstes Instrument bleibt jedoch das persönliche Treffen mit politischen Entscheidungsträgern, das für alle Befragten auch im digitalen Zeitalter unabdingbar ist.

Für die 15. Public-Affairs-Umfrage von MSL Germany wurden im Juni und Juli 2016 über 300 Public-Affairs-Verantwortliche aus Unternehmen und Verbänden befragt. Über siebzig Antworten gingen in die Auswertung ein.

Grafik SoMe

 

Die Ergebnisse sind über diesen Slide-Share-Link verfügbar:

Public-Affairs-Umfrage 2016 von MSL Germany from MSL Germany

 

Merken

Merken

Merken