MSL Notizblog

re:publica 2017 – Überraschend anders

Erstellt am: 19. Juni 2017

Gehe ich in Saal 1, 4 oder 8? Das Thema klingt interessant. Aber riskiere ich, zu dem noch interessanteren Vortrag zu spät zu kommen und keinen Sitzplatz mehr zu ergattern? Oder gehe ich doch lieber in den Kurzvortrag vorab und esse in der freien Zeit endlich mal etwas?

Wenn die re:publica 17 eins nicht war, dann entspannend – und als Frischling gar nicht so einfach, sich auf Anhieb zurechtzufinden. Da zu jeder Zeit zig Vorträge und Workshops stattfinden, hat man stets das Gefühl, etwas anderes, besseres zu verpassen. Ehrlich gesagt ging das Gefühl auch bis zum Ende nicht weg. Besonders dann, wenn der Vortragstitel sich zwar spannend las, aber dann doch als eine bessere Werbeveranstaltung entpuppte.

republica_Blogbeitrag_Moritz

Schnell merkt man: Die „großen“ Veranstaltungen halten selten, was sie versprechen. Besser, sich von den kleinen unscheinbaren überraschen zu lassen. Gerade auch deshalb, da man jeden Morgen zwar haarfein seinen Tag durchplanen kann, im Endeffekt aber doch andere Faktoren als pures Interesse die Wahl entscheiden.

Trotzdem muss man sich doch die Frage stellen, welchen Weg – oder auf re:publicisch – „Track“ man verfolgt. Und da man gegenüber den daheimgebliebenen Kollegen einen gewissen Bildungsauftrag hat, welche Erkenntnisse und neuen Entwicklungen uns als Agentur weiterbringen. Oder anders: politisch, technisch oder journalistisch? Bei der Fülle an Themenfeldern zwar eine sehr pauschale Einteilung. Trotzdem half sie, sich einigermaßen zurechtzufinden.

So entschied ich mich am ersten Tag, Neues in Sachen KI, VR und AR zu erfahren. Vielleicht war ich bei den falschen Vorträgen oder habe zu viel erwartet, aber es schien so, als wüsste niemand so wirklich, wo die Reise hingehen soll. Stattdessen wurden Best Practices vorgestellt, was heute schon möglich ist oder was Unternehmen in der nächsten Zeit planen. Aber die Frage, was der Einsatz dieser relativ neuen Technologien für unsere Kunden bereithält, blieb größtenteils offen. Besonders einprägsam blieb die Rückfrage eines Zuhörers, ob Chatbots in Zukunft uns Medienmacher, Kommunikatoren, Kreative ersetzen. Der Referent konnte darauf auch keine wirklich Antwort geben und flüchtete sich in die großartigen Chancen, die künstliche Intelligenzen bereithalten. Ich mache ihm keinen Vorwurf, wer möchte schon den Blick in die Glaskugel werfen und sich im Nachhinein irren? Dennoch blieb allgemein der Eindruck, dass wir noch so stark am Anfang eines neuen Zeitalters stehen, dass selbst Entwicklungen und Möglichkeiten in fünf Jahren fast unmöglich vorherzusehen sind.

republica_Blogbeitrag_Moritz, II

Als die Vorträge über Virtual Reality nicht mehr viel Abwechslung boten, wendete ich mich dem guten alten Journalismus zu. Was treibt der eigentlich in Zeiten von unprofitablen Zahlschranken und sinkender Auflagezahlen? Auch hier fällt die Antwort ernüchternd aus: Er passt sich gezwungenermaßen an. Der Lokaljournalismus stirbt langsam aus, der Sportjournalismus verzichtet auf Vorberichte und lässt sich von Vereinen die News diktieren. Und alle machen natürlich in Social Media.

Irgendwas mit Medien wurde dann aber auch auf Dauer zu eintönig und ich wendete ich mich mal ganz anderen Themen zu: Weltraumfahrstühlen, Science Fiction als Geisteshaltung, eHealth als heiliger Gral des mündigen Patienten. Themen, die mir erfrischende Erkenntnisse brachten. Zwar andere als erwartet – doch da eh niemand weiß wohin die Reise geht, könnten sie mal ebenso überraschend nützlich werden.

Moritz_Profilbild_BlogbeitragMoritz Zamzow, Junior-Consultant Health am Standort Frankfurt, studierter Online-Journalist und BWLer. Vorher war er viele Jahre in der PR-Abteilung eines renommierten deutschen Forschungsinstituts.

 

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