MSL Notizblog

Wie sich Wearables und Quantified Self in der Kommunikation nutzen lassen

Erstellt am: 26. August 2014

Autor: Adrian Rosenthal

Google Glass, Nike FuelBand oder Smart Watches wie Pebble – Wearable Technology ist nicht nur in aller Munde, sondern vermehrt auch an Handgelenken (oder auf Nasenspitzen) zu finden. Auch wenn wir noch Lichtjahre davon entfernt sind, dass tragbare Technologien ein massenkompatibles Phänomen in Deutschland darstellen, werden neue Produkte und Trends regelmäßig vorgestellt und diskutiert. Nicht nur in darauf spezialisierten Blogs, sondern auch überall von Abendzeitung bis Zeit Online.

Fitbit Homepage

Quelle: Fitbit Homepage

Auch wir als Kommunikatoren müssen uns natürlich mit diesen Dingen beschäftigen. Wearables und Self-Tracking sind nicht nur eine konsequente Verlängerung mobiler Kommunikation, sondern gleichzeitig auch Teil einer größeren Entwicklung hin zu einem Mehr an Smart Living durch digitale Technologien, wie wir es etwa auch beim Internet der Dinge oder im Mobile Health-Bereich sehen. Auch wenn 96 Prozent Wearables für „technischen Schnickschnack, den man nicht benötigt“ halten, werden diese in Zukunft für viele Menschen zum Alltag gehören. Denn auch bei Mobiltelefonen und später Smartphones wurde an allen Ecken die Frage nach der Sinnhaftigkeit gestellt. Schnickschnack eben. Genau.

Für unsere Veranstaltung „Wearable Tech: Kommunikation zum Anziehen“, die wir am 14. August im Münchner Büro von Google Deutschland veranstaltet haben, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, warum wir uns bereits jetzt mit Fitbit und Co. beschäftigen müssen und wie wir diese in der Kommunikation nutzen können (bzw. wie Wearables jetzt schon zu diesem Zweck genutzt werden):

1. Weil wir ein Auge auf neue Trends haben müssen. Als Kommunikatoren sollten wir uns zwangsläufig mit neuen Trends beschäftigen. Das gilt für Mitarbeiter von PR-Agenturen genauso wie für Kommunikationsexperten auf Unternehmensseite. Vor ein paar Jahren haben wir uns intensiv mit Facebook beschäftigt, dann mit Twitter, dann zunehmend mit mobiler Kommunikation, haben die ersten Kampagnen beobachtet und analysiert, wie diese neuen Plattformen die Kommunikationswelt verändern. Das sollten wir auch bei den Wearables machen.

2. Weil wir als Kommunikatoren gefordert sind. Wie die oben genannte Umfrage zeigt, sind Wearables noch lange nicht im Mainstream angekommen, stoßen oftmals sogar eher auf Ablehnung. Hier müssen die neuen Technologien entsprechend erklärt und in einen kommunikativen Kontext eingebunden werden. Zudem werden durch die meisten Wearables Daten gesammelt. Rund um das Thema Datenschutz muss im Dialog mit Kunden und Konsumenten Vertrauen durch Transparenz geschaffen werden.

3. Big Data: Chancen und Risiken. Das Sammeln von Daten bietet Unternehmen und Herstellern neben der Debatte um den Datenschutz natürlich auch Chancen. Wie lassen sich Nutzer gezielter und passgenau ansprechen? Wie lässt sich das Produkterlebnis durch eine gezielte Auswertung und Analyse für Kunden individualisieren und optimieren?

4. Community-Building: Viele Hersteller von Wearables erschaffen rund um ihre Produkte gleichzeitig Communities, die oftmals Gamification-Elemente aufweisen. Nutzer vom Nike FuelBand wollen nicht nur ihre Daten im stillen Kämmerlein betrachten, sondern sich mit Freunden und anderen Nutzern messen und diese herausfordern. Durch die Einrichtung von Communities und damit die Einrichtung von Plattformen, über die sich Nutzer austauschen können, erfolgt eine weitere Bindung von Konsumenten an die Brand, die über das bloße Tragen eines Fitnessarmbands am Handgelenk hinausgeht.

5. Brand Love und Ambassadors: Träger und Nutzer von Wearables werden in den meisten Fällen auch zu Botschaftern für die Brand. Sie teilen Daten wie zum Beispiel ihre Laufstrecke via Twitter oder Facebook und machen so darauf aufmerksam. Denn Nike FuelBand, Pebble und Co. sind oftmals auch Lifestyle-Produkte, die vom Nutzer gerne hergezeigt und erklärt werden.

6. „Piggybacking“ und Kooperationen: Eine Vielzahl von Wearables haben offene Programmierschnittstellen, die anderen Unternehmen nutzen können. Der Self-Tracker Fitbit zum Beispiel hat bestehende Partnerschaften mit Firmen wie Weight Watchers oder Walgreens. So können auch Unternehmen, die keine eigenen tragbrachen Technologien herstellen, von diesen profitieren und eigene Applikationen entwickeln.

7. Kampagnen mit Wearables im Fokus: Obwohl die Nutzerschaft noch überschaubar ist, haben die ersten Unternehmen bereits erste Kampagnen rund um Wearables gestartet. Zum Launch eines neuen Parfüms startete Kenneth Cole eine Aktion, bei der die Besitzer einer Google Glass dazu aufgerufen wurden, bestimmte Aufgaben zu erfüllen und diese per Google Glass zu dokumentieren. Ebenso hat Nike in New York Automaten aufstellen lassen, an denen mit durch das FuelBand generierten Aktivitätspunkten Nike-Produkte wie T-Shirts eingelöst werden können. Auch wenn die angesprochene Zielgruppe klein ist: Der Einsatz tragbaren Technologien hat immer noch einen Neuigkeitsfaktor und damit einen Nachrichtenwert. Sobald Mashable und Co. über diese Aktionen berichten, ist eine enorme Reichweite garantiert.

8. Communication on the Run: Ebenso hat Nike in New York kürzlich Automaten aufstellen lassen, an denen mit durch das FuelBand generierten Aktivitätspunkten Erfrischungsgetränke eingelöst werden können. Ein anderes Beispiel: Die Hundefuttermarke Granata hat in deutschen Städten Werbeplakate aufgestellt und Hundebesitzer animiert, direkt vor den Plakaten per Foursquare einzuchecken. Nach erfolgreichem Check-In gab es als Belohnung eine Probe des Hundefutters. Kontext- und Location-basierte Kommunikation und Kampagnen werden durch Wearables und Technologien wie Augmented Reality in Zukunft leichter umsetzbar – und deswegen werden wir mehr davon sehen.

9. Wearables in der internen Kommunikation: Auch in der unternehmensinternen Kommunikation mit und zwischen Mitarbeitern kommen Wearables schon zum Einsatz. So hat Salesforce zum Beispiel ein eigenes Developer-Programm für Google Glass, die Smartwatch Pebble und andere Wearables aufgelegt und dafür schon eine Reihe von Applikationen erstellt, mit denen sich CRM-Aufgaben oder Freigabe-Prozesse steuern lassen. In eine andere Richtung geht die Mobile App Keas, die auf den Bereich Corporate Health bzw. Corporate Wellness zielt. Über die App sollen Mitarbeiter via Gamification-Elementen dazu animiert werden, auf ihre Gesundheit und Bewegung am Arbeitsplatz zu achten.

10. Kreation eigener Wearables: Der Königsweg ist natürlich die Erstellung eigener Wearables. Dieser Schritt geht nochmal über die Programmierung von Applikationen hinaus. Disney zum Beispiel ist zwar nicht als Brand bekannt, die für die Produktion eigener Wearables prädestiniert wäre, hat aber mit dem MagicBand ein Armband geschaffen, das unter anderem als Bezahl- und Reservierungssystem in den Vergnügungsparks des Unternehmens zum Einsatz kommt. Aber auch Ko-Produktionen sind denkbar: So hat die Modemarke Tory Burch zusammen mit Fitbit eine eigene Reihe von Produkten entwickelt.

 

Autor Adrian RosenthalAdrian Rosenthal, Head of Digital & Social Media bei MSL Germany, ist begeisterter Self-Tracker und geht ohne sein Nike FuelBand nicht aus dem Haus.