MSL Germany Public Affairs-Umfrage 2014

Lobbyisten uneins in Bewertung der Großen Koalition

+++ Skepsis gegenüber der Großen Koalition +++ CDU/CSU mit größter Wirtschafts-kompetenz +++ Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung positiv bewertet +++ Lobbyregister wird befürwortet +++ Social Media-Einsatz wird wichtiger +++

Berlin, 22. September 2014

Die Arbeit der Bundesregierung wird von Public Affairs-Verantwortlichen in Deutschland mehrheitlich kritisch gesehen. Dies geht aus der jährlichen Public Affairs-Umfrage der Kommunikationsberatung MSL Germany hervor. 54 Prozent der Befragten bewertet die Regierungsarbeit mit „schlecht“, 43 Prozent mit „gut“ sowie jeweils 2 Prozent mit „sehr gut“ und „sehr schlecht“. Die Große Koalition startet aber mit besseren Werten als die christlich-liberale Koalition: Schwarz-Gelb wurde nach dem ersten Amtsjahr zu 67 Prozent mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“ bewertet.

Als wichtigste Aufgaben für die Bundesregierung sehen Unternehmens- und Verbandslobbyisten die Bewältigung der EURO-Krise und die Energiewende mit jeweils 76 Prozent als Kernprojekt. Für 44 Prozent zählt eine Steuerreform zu den zentralen Herausforderungen dieser Legislaturperiode.

Bei der Bewertung der Arbeit der Bundesregierung in einzelnen Politikbereichen erfährt die Wirtschaftspolitik die größte Zustimmung, 50 Prozent bewerten sie mit „gut“, 2 Prozent mit „sehr gut“. Außenhandels- und Gesundheitspolitik liegen auf den Plätzen zwei und drei. Am schlechtesten wird die Regierungspolitik im Bereich Arbeit und Soziales eingeschätzt, 74 Prozent stimmen für „schlecht“ oder „sehr schlecht“.

Der Opposition bescheinigen die Befragten zu 70 Prozent eine schlechte Leistung. 24 Prozent beurteilen die Arbeit von Die Linke und Bündnis90/Die Grünen im Deutschen Bundestag als „sehr schlecht“. Nur 6 Prozent votieren für „gut“.

Die höchste wirtschaftspolitische Expertise besitzt der Umfrage zufolge die Union: insgesamt 54 Prozent der Stimmen entfallen auf CDU und CSU. Die FDP folgt mit 26 Prozent vor der SPD, die 12 Prozent erhält. Bündnis90/Die Grünen liegen mit 5 Prozent vor der Alternative für Deutschland (3 Prozent).

Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung wird 2014 zum zweiten Mal in Folge besser als im Vorjahr bewertet. 67 Prozent der Public Affairs-Verantwortlichen finden die Arbeit des Bundespresseamtes „gut“ oder „sehr gut“, 31 Prozent votieren für „schlecht“.

Lobbyregister

Einem verpflichtenden Lobbyregister stehen Public Affairs-Verantwortliche aufgeschlossen gegenüber. Nur 15 Prozent sind gegen die Einführung eines verpflichtenden Registers für Lobbyisten. 65 Prozent befürworten eine verpflichtende namentliche Registrierung von Interessenvertretern, aber ohne die Angabe weiterer Daten. Ein Register mit möglichst umfassender Angabe von Budgets, Personalstärke, Zielen, Dienstleistern und weiteren Daten ist für 19 Prozent die bevorzugte Variante.

„Dass Lobbyisten ein Lobbyregister befürworten zeigt, wie groß die Bereitschaft zu mehr Transparenz in der Branche ist. Aber in die genaue Ausgestaltung wollen Public Affairs-Verantwortliche involviert werden. So sollten zum Beispiel Anwälte, die Interessenvertretung betreiben, ebenfalls unter die Registrierungspflicht fallen“, sagt Axel Wallrabenstein, Chairman von MSL Germany.

Die Public Affairs-Manager bewerten die Politik als weniger verlässlichen Partner der Wirtschaft. Für 33 Prozent wird die Politik künftig ein weniger verlässlicher Partner sein. Für 35 Prozent ist Politik dies bereits jetzt. 22 Prozent glauben, dass Politik ein verlässlicher Partner ist und zukünftig bleibt.

Für die Pflege von politischen Kontakten wird Social Media immer wichtiger. Inzwischen setzen 54 Prozent der Public Affairs-Verantwortlichen Social Media-Tools ein. Als wichtigste Plattform für die politische Kontaktpflege liegt Facebook mit 51 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von Twitter mit 48 Prozent und Xing mit 31 Prozent.

„Wir beobachten, dass der Einsatz von digitalen Instrumenten in der Public Affairs-Branche jährlich wächst“, sagt Axel Wallrabenstein. „Politik findet vermehrt online statt. Entsprechend beschäftigen sich die Verantwortlichen in Unternehmen und Verbänden intensiv damit, was im Netz passiert und wie sie hier am politischen Dialog teilhaben können.“

Für die 13. Public Affairs-Umfrage von MSL Germany wurden im Juli und August 2014 über 300 Public Affairs-Verantwortliche aus Unternehmen und Verbänden befragt. Rund sechzig Antworten gingen in die Auswertung ein. Die Ergebnisse sind über diesen SlideShare-Link verfügbar: http://de.slideshare.net/NI0049/msl-germany-public-affairsumfrage-2014.